Tag 3 – Noch ein Tramptag – oder auch nicht…
Um 0600 wurden wir wach, die Nacht war kurz, aber irgendwie hatte es gereicht. Der neue Morgen erwartete uns mit etwas besserem Wetter. Es regnete nicht mehr, und nur am frühen Morgen kamen vereinzelt ein paar Tropfen herunter.
Wir packten die Sachen und gingen erst einmal ausführlich baden. Wenn man denn schon mal da war, musste man die erstbeste Chance ja schließlich nutzen.
Unsere nächste Anlaufstelle war die Innenstadt von Izola. Direkt neben der Post setzten wir uns in ein nettes Cafe, Kaffee trinken, SMS schreiben, Zähneputzen und Rasieren. Danach einfach nur dasitzen, klönen und Gedanken zu Papier bringen.
Da das Brot alle ist, und der Markt nebenan lockt, besorgen wir uns beim Bäcker österreichisches Brot (nicht bewusst, aber scheinbar war es ein österreichischer Bäcker) und auf dem Markt leckeres Obst und die obligatorische Ladung Wasser. Der Verkäufer des Marktstandes war sehr findig. Wir standen vor der Bude seines Konkurrenten und er deckte uns mit einem Schwall europäischen Potpouris ein. “Hello, Hallo, Bonjur,… you want to buy some fruits? Wollt ihr leckeres Obst kaufen?…” Schon hatte er uns in seinen Bann gezogen, und wir kauften natürlich bei ihm ein. Inzwischen hat das Wetter aufgeklart und die Temperaturen kratzen an der 30° Marke.
Aus irgendeinem Grund besuchen wir überall wo wir sind die Kirchen. – Nicht etwa weil wir unheimlich gläubig sind, sondern weil es immer mal wieder sehr faszinierende Kirchen mit reichhaltiger Geschichte gibt. Auch hier gab es wieder etwas zu sehen und zu erfahren. Die Kirche, ich habe leider den Namen vergessen, war einem Heiligen, dessen Namen ich leider auch nicht notiert habe, durch die pure Kraft seiner Gebete vor der anrauschenden Flotte der Sarazäen gerettet. Mag man es glauben oder auch nicht, aber solch kleine Episoden und die ausgestellte Kunst zeugen doch sehr oft vom ehemaligen Zustand und Bedeutung der Stadt. – Demnach war Izola nicht sehr bedeutend, jedoch nicht vollkommen ab vom Schuss.
Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg in Richtung Kroatien. Leider entpuppt sich die Ausfallstraße und auch die ganzen Touristen als äusserst ungeeignet zum Trampen. Daher beschließen wir mit dem Bus weiter zu fahren. In Kroatien würde es sich besser trampen lassen, beschließen wir und machen uns für teuer Geld auf in Richtung Grenze. In Portoros (man möge verzeihen, dass ich die Namen nicht immer richtig schreibe, denn ich finde die Akzente die hier einige Ortsnamen schmücken einfach nicht.), dem Westerland Sloweniens beschlossen wir, dass es blödsinnig wäre, weiter in Richtung Süden zu trampen. Spätestens Pula wäre eine Art Sackgasse gewesen, und auch die Temperaturen luden nicht zum tippeln ein.
Mit dem Bus ging es weiter in Richtung Koper um dort mit dem Zug über wunderschöne Strecken nach Rijeka in Kroatien zu fahren. Dort wollten wir es mit dem Trampen wieder versuchen. Wir waren ja schließlich im Urlaub. Selbstkasteneiung und Schindertum war hier nicht der richtige Ort und auch nicht die richtige Zeit.

Auf unserer Zugfahrt wurden wir nicht kontrolliert. Dafür mussten wir uns zwei Grenzkontrollen von griesgrämigen Zöllnern gefallen lassen, die so aussahen als würden sie uns am liebsten aus dem jeweiligen Land rausschmeißen wollen. Wir stanken nicht, oder zumindest nicht mehr als alle anderen und sahen auch nicht abgerissen und ungepflegt aus. Im Zug wurde uns dann von anderen Reisenden die absonderliche Geschichte erzählt, dass man in Kroatien nicht trampen dürfte, und die Polizei, wenn sie einen aufgriff, mit absurden Strafen belegen dürfte. Also beschlossen wir, das Trampen erst einmal bleiben zu lassen. Wir wollten eh eine Teilstrecke mit der Fähre zurücklegen.
Gegen 18.00 waren wir dann endlich in Rijeka. Dort stand tatsächlich ein Gepäckträger mit seinem bunt angemalten Gepäckkarren um Touristen abzufangen und ihr Gepäck in deren Unterkünfte zu bringen. – Wir liefen natürlich.
Der Plan sah vor etwas Geld zu drucken und ein Schlafquartier zu finden. Am Busbahnhof von Rijeka fanden wir ein Cafe in dem ich mit dem Gepäck wartete, während Bente am Automaten der örtlichen Volksbank ein paar Kroatische Kuna druckte. Die übliche, weitere Vorgehensweise war es, bei einer Kirche nach Unterkunft zu fragen. Die örtlichen Baptisten waren scheinbar gemütlich ins Gebet vertieft, denn uns wurde noch nicht mal die Tür geöffnet.
Alle Fernbusse waren gefahren und wir wollten eigentlich nicht in Rijeka bleiben. Bente hatte eine Art Panikanfall. Dieser legte sich zum Glück wieder, nachdem wir am Hafen angekommen waren. Die Fähre war auch gerade gefahren und würde erst wieder in ein paar Tagen fahren. Dafür sollte am nächsten Tag um 17.00 ein Katamaran nach Novalia, Pag fahren. – Perfekt! Wir schlenderten an der Kaimauer entlang und versuchten einen Tramp per Schiff oder zumindest einen Schlafplatz auf einem Schiff zu bekommen. Scheinbar stieß das nicht auf große Begeisterung. Alle lachten uns zu, und reckten den Daumen nach oben, aber an Bord durften wir nicht. Auch fuhr niemand am nächsten Tag irgendwo hin, so dass wir nach ca. einem Kilometer am Ende der Hafenmole ankamen.
Hier am Leuchtfeuer fanden wir einen einigermaßen Wind- und Sichtgeschützen Platz. Dies sollte also unser Nachtlager werden. Erstmal gab es etwas deftiges zu Essen. Eine Dose Kartoffelsuppe mit Fleischbeilage blubberte bald auf unserem kleinen Trangier vor sich hin. Man konnte es sogar ganz gut essen. Wir ernteten zwar verwunderte Blicke, aber so richtig störte sich niemand an uns. Dies sollte später so bleiben, nachdem wir uns mit einem Poncho einen Regenschutz gebaut und es uns auf unseren Isomatten bequem gemacht hatten.
Wie so oft suchten wir uns zum Schlafen immer genau die Plätze an denen sich auch die ganzen Einheimischen und Touristen rumtrieben. – Das spricht für unseren guten Geschmack. Das Panorama dass sich uns hier bot war so wunderschön, dass ich intensiven Gebrauch von meiner Kamera machte. Der Gorillapod erwies sich als unverzichtbares Zubehör. Leicht, flexibel und gut zu benutzen. Super Sache das.
Im Folgenden gibt es noch ein paar mehr Bilder:
16 Sep 2009 Noch keine Meinung Tweet thisWo es die Zeitung von morgen schon heute gibt…
Gestern war ich im Druckhaus Spandau der Axel-Springer AG zu Besuch und habe mir einmal die Technik, die Abläufe und den Maschinenpark dort angeguckt.
Da es für euch sicher auch interessant ist, wie soetwas entsteht, werde ich euch im Folgenden den kompletten Werdegang einer solchen Zeitung in der Produktion schildern.
Logischerweise geht es mit den Inhalten los. Irgendwo müssen diese herkommen und die Techniken der Informationsbeschaffung, seien es nun Inhaltliche Recherchen, das Durchsehen von Presse- und Agenturmeldungen oder das Beschaffen von geeignetem Bildmaterial lasse ich mal aussen vor. Da können Andere fundierter drüber berichten und die Abläufe besser und differenzierter erklären.
Die geschaffenen Inhalte werden nun in ein Content-Management-System übertragen und landen dann irgendwann auf den Tischen von Layoutern und den Verantwortlichen, die Bestimmen, wo was steht und wie die morgige Ausgabe aufgebaut sein wird.
Das Ergebnis dieser diffizilen Prozesse sind die einzelnen Zeitungsseiten als Druckfähige Vorlage für die Druckerei.
Nun beginnt die Arbeit in der Druckerei über die ich etwas genauer berichten möchte.
Alles muss einen Anfang haben, die Produktion einer Zeitung jedoch hat mehrere. Anfangen möchte ich jedoch im Papierlager. Im Druckhaus Spandau werden am Tag ca. 1,3 Millionen Tages- und Wochenzeitungen gedruckt. Dafür werden täglich im Schnitt 200-300 Rollen Papier von den Robotern in die automatischen Papiereinzugstürme geladen. Jede Rolle hat eine Papierlänge von ca. 21 Kilometern und ein Gewicht von 1,3-1,5 Tonnen.
Das automatisierte System versorgt die Druckwerke rund um die Uhr mit einem nie abreißenden Strom an Zeitungspapier, welches in der Regel eine Grammatur von ca. 42g/qm hat.

Für das Papier ist also gesorgt. Was fehlt denn nun noch? Richtig, der Inhalt.
Zeitungen werden heute in aller Regel 4-Farbig, also Bunt gedruckt. Der Druck geschieht für jede Farbe einzeln. Daher braucht die Druckerei auch 4 Druckvorlagen. Für jede Farbe eine. Dies sind die Farbauszüge des 4-Farb Satzes, auch CMYK genannt. Aus den Druckfarben Cyan, Magenta und Yellow lassen sich viele Farben herstellen. Das Schwarz wird für Schrift und einen satteren Schwarzton sowie für die Ergänzung der drei Farben genutzt.

Für jede Druckfarbe wird also ein Farbauszug gebraucht. Im Druckhaus Spandau wird im Offsetverfahren gedruckt. Also werden vier Platten vom Plattenbelichter belichtet, ausgewaschen und für die Druckzylinder vorbereitet. Über ein spezielles Transportsystem wandern diese Platten dann direkt zu den einzelnen Druckwerken in die sie eingespannt werden müssen. Im Schnitt werden am Tag im Druckhaus Spandau 2000-3000 dieser Platten hergestellt und genutzt.
Nun haben wir das Papier, die Druckplatten und jede Menge Technik. Als nächstes muss die Farbe aufs Papier gebracht werden. Wie genau eine solche Druckmaschine und das Offsetverfahren funktioniert werde ich in einem anderen Artikel etwas genauer beschreiben, wenn ich dazu mal die Zeit finde.
Das endlose Band von Papier kommt aus den Papiereinzugsmaschinen in die Druckmaschine mit ihren einzelnen Druckwerken und wird in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit bedruckt.

Das Ergebnis sind bereits zusammengefaltete, quasi fertige Zeitungen. Am Ende jeder Druckmaschine arbeiten eine Handvoll Spezialisten, die ständig die Qualität des Druckbildes und vor allem der Farben überprüfen und an einem Steuerpult den Farbauftrag der einzelnen Druckwerke fein nachjustieren können. So wird nach einiger Zeit ein optimales Druckergebnis erzielt.
Immer mal wieder wird die laufende Produktion unterbrochen, weil die Zeitungsredaktionen die ein oder andere Seite aktualisiert haben oder die Produktion auf ein anderes Druckerzeugnis umgestellt wird.
Die Auflage einer Zeitung kann sich also in sich durchaus gewaltig unterscheiden. Ab und an werden ganze Artikel ausgetauscht oder kleine Fehler korrigiert. In einer Zeitung die in Berlin Mitte verkauft wurde und der gleichen Zeitung die ein wenig ausserhalb verkauft wurde, kann also durchaus an einigen Stellen etwas komplett anderes stehen.
Über ein schier endloses Transportsystem werden die Zeitungen nun zur Weiterverarbeitung oder ins Lager geschickt. Nicht aktuelle Teile, wie z.B. der Immobilienteil einer Wochenendzeitung werden unter der Woche produziert und vollautomatisch auf großen Rollen zwischengelagert.


Nun aber zur Weiterverarbeitung. Die Zeitungen landen in großen Maschinen, die diese aufklappen. Die Hinterseite einer Zeitung ist bis dahin kürzer als die Vorderseite. Dieser Trick ermöglicht einer Maschine, diese automatisch in der Mitte aufzuklappen um weitere Teile der Zeitung (z.B. den Immobilienteil) oder Werbebroschüren automatisiert einzubringen.

Ist dieser Vorgang abgeschlossen, durchläuft jede Zeitung eine weitere, automatische Qualitätskontrolle. Sie wird mittels Fotozelle abfotografiert um zu gewährleisten, dass alles richtig herum im Produktionskreislauf war, und gewogen um zu garantieren, dass alle Seiten und Beilagen im fertigen Produkt vorhanden sind.

Anschließend wird die Zeitung an drei Seiten beschnitten um überschüssiges Papier wegzuschneiden, und die Zeitung auf ihr endgültiges Format zu bringen. Die gleiche Maschine verpackt die Zeitungen in handlichen Stapeln, schnürt und tütet sie ein, damit sie dann von Kurierfahrern in die Zeitungskioske gebracht werden kann.
Ein paar Stunden später liegt sie dann auf euren Frühstückstischen oder landet auf dem Weg ins Büro oder die Uni in euren Händen.

Wenn ihr mehr über die Produktion von Druckerzeugnissen wissen wollt, fragt einfach in den Kommentaren. Ich hoffe, euch hat dieser kleine Einblick gefallen.
Und bitte entschuldigt die teilweise schlechte Qualität der Bilder. Ich hatte nur eine Handykamera zur Hand welche bei dem etwas dürftigen Licht nicht so überragende Ergebnisse geliefert hat. ;)
10 Jun 2009 Noch keine Meinung Tweet this

























