Jeden Dezember ist es wieder soweit. Berlin, genauer, das BCC am Alexanderplatz in Berlin, wird von Geeks, Nerds, Hackern, Crackern, Freifunkern, Lockpickern und anderen Gestalten gestürmt. Der Chaos Commuication Congress findet wieder statt.
Nothing to hide
so lautet das diesjährige Motto in seiner gewollten Mehrdeutigkeit. Haben wir wirklich nichts zu verbergen? Nichts zu verbergen vom “Vater Staat” der unsere Rechte und Freiheiten immer mehr beschneidet, sich immer mehr Einblicke in unser Privatleben zugesteht? Nichts zu verbergen, vor den vielen Firmen, die im Internet nach unseren Daten fischen? Oder vor den Betreibern der ganzen Bonussysteme wie PayBack und den vielen anderen.
Ist es wirklich in Ordnung, wenn wir unsere Kaufgewohnheiten für einen angeblichen Preiserlass oder Bonuspunkte offen legen, um nur noch besser mit Werbung beworfen werden zu können, oder in Datenbanken zu landen, die unter Umständen verkauft oder illegal weiter kopiert werden.
Muss meine Krankenkasse wirklich wissen, dass ich regelmäßig rauche, nur weil ich nach 1000 Packungen Zigaretten einen Lolli dafür bekomme? – Ich denke nicht.
Nothing to hide, extra ohne Satzzeichen gewählt, soll leicht provokant wirken. Nicht nur mit einem Fragezeichen könnte das Leitwort des 25c3 stehen, sondern auch mit einem Ausrufezeichen. Wir haben nichts mehr zu verstecken, oder besser gesagt, wenig Möglichkeiten dazu.
Das openBeacon Projekt zeigt mal wieder eindrucksvoll, was man allein mit Personentracking für soziale Verflechtungen aufdecken kann. Wer war mit wem wie lange an der gleichen Position. Zufall? Oder häuft sich eine bestimmte Konstellation von Menschen? openBeacon zeigt genau das, wozu der Staat mit der Einführung der Vorratsdatenspeicherung für Telekommunikation, oder besser mit der Speicherung der aktiven Funkzellen und Funkzellen Wechsel über 6 Monate hinweg für Möglichkeiten hat. Mit diesen Daten kann ein Bewegungsprofil erstellt werden, soziale Netzwerke aufgezeigt und möglicherweise auch Gewohnheiten in Erfahrung gebracht werden.
“Ich habe doch nichts zu verbergen, mir ist das egal, was die da beschließen.” – gehört für mich zu den Aussagen, die zu Menschen passt, die unreflektiert alles konsumieren, was ihnen vorgesetzt wird. “Talkshowgucker” könnte man als passendes Schimpfwort verwenden. Aber letztendlich muss soetwas jeder selbst wissen.
Hier auf dem 25c3 herrscht bereits großer Andrang. Alte, vertraute Gesichter laufen einem hier über den Weg, neue, Gesichter lassen sich nun den Nicknamen zuordnen, die man bisher nur aus IRC oder von Mailinglisten kennt.
Bisher hat sich der 25c3 auf jeden Fall gelohnt. Ich werde weiter berichten.