Tag 1 – Endlos lang zieht sich die Straße…
02.08.2009 – 15:39
Wir verlassen Deutschland und begeben uns in das Gebiet des Freistaates Bayern. Die Menschen scheinen nett und sprechen eine dem Deutschen nicht ganz unähnliche Sprache.
Wir, das sind zwei fernwehgeplagte Jungs im besten Alter auf dem Weg nach Mostar. Die blaue Adria zu sehen und Bosniens Bergen und Moscheen einen Besuch abzustatten.
Morgens ging es los. Für mich in Ahrensburg und für Bente in Kiel. Der Rucksack gepackt, die Stiefel geschnürt und mit einer Menge froher Vorfreude beladen treffen wir uns in Hamburg am Hauptbahnhof.
Unser erstes Ziel war die Raststätte Stillhorn im Hamburger Süden. Ein guter Ausgangspunkt für eine jede Trampreise in Richtung Süden. Mit uns fanden sich zwei weitere Tramper ein. Ihr erster Zwischenstop war Frankfurt am Main. Der eine wollte weiter bis nach Odessa. Dass er jemals dort ankommen würde, war für uns sehr zweifelhaft. Denn statt die Menschen anzusprechen, stand er einfach so da und jonglierte. Tat nichts ausser jonglieren.
Nun ja, für uns ging es nach ca. 10 Minuten los in Richtung Nürnberg. Nächster Zwischenstopp: Raststätte Steigerwald. Hier traf ich mehrere Pfadfinder mit bunten Stickern auf dem Hemd. Es müssen recht scoutistische Jungs und Mädels gewesen sein. Stolz zeigte mir der eine seine vollständige Sammlung von Helferbuttons vom Kirchentag, ohne zu wissen dass diese aus meiner Feder stammen. Er schwärmte über den Kirchentag und das Helferdasein. – Ich beschloss mich nicht zu outen und suchte weiter nach Tramps.
Über die Raststätte Jura ging es hin bis zur Raste Bayerwald. Dort gestaltete sich die Suche etwas schwieriger. Alle Leute die aus Deutschland raus fuhren waren voll bepackt. Geschäftlich fahrende Menschen hatte man an einem Sonntag Abend eher weniger zu erwarten und wir aßen erst einmal was.
Gerade hatten wir einen Tramp nach Passau erwischt, kam Hermann an. Er hatte schon vorher gesagt, er käme aus der Gegend und wollte hier nur etwas Essen. Nun kam er aber an und bot uns eine Schlafgelegenheit an. – Ihm war scheinbar langweilig zu Hause und er brauchte Gesellschaft.
Da uns unsere Menschenkenntnis noch nie im Stich gelassen hatte, stiegen wir ein und saßen eine halbe Stunde später gemütlich beim Weißbier zusammen und unterhielten uns über Gott und die Welt.
Hermann arbeitet als Informatiker in einer Verwahrungsanstalt. Also dort wo all die Menschen weggesperrt werden, die möglichst nie wieder auf die Menschheit los gelassen werden sollten. Oft handelte es sich um äusserst nette Menschen die unter großen Problemen mit der Wahrnehmung leiden. Der eine hat seine Familie umgebracht, weil der Erzengel Gabriel ihm gesagt hat, er würde sie so vor dem Teufel beschützen. Das ist nur ein Beispiel dafür welch merkwürdige Launen die Natur für einige Menschen bereit hält. Der Mensch hat mein tiefstes Mitgefühl. Trotzdem bin ich froh, dass er dort gut aufgehoben ist.
Die ersten, knapp 800 Kilometer waren zurückgelegt.

