Backup von Websites leicht gemacht
Viele Webseiten oder Blogbetreiber machen sich wenig Gedanken über Backups. Was ist, wenn der Webhoster ausversehen die Platte schreddert, oder jemand mit zu viel destruktiver Energie über eine Sicherheitslücke Zugriff auf den Server bekommt und einfach mal eure Website löscht? Was, wenn ein Update z.B. von Wordpress mal nicht sauber durch läuft, oder ihr ausversehen etwas löscht, was ihr gar nicht löschen wolltet? Diese Dinge sind in meinem Umfeld schon das ein oder andere mal geschehen, weshalb ich regelmäßig ein lokales Backup von Datenbanken und Dateien meiner Websites mache.
Ich will euch nun zeigen, wie ihr recht einfach mit UNIX-Bordmitteln entsprechende Backups ziehen könnt, ohne Shell-Zugriff auf den Webserver haben zu müssen. (Ein Backup mit Hilfe von rsync oder ähnlichem, per SSH ist dieser Methode definitiv vorzuziehen. Vorsicht, diese Methode sendet eure Logindaten unverschlüsselt übers Internet!)
Vorbereitung
Für dieses Tutorial braucht ihr das UNIX-Tool wget. Unter Mac OS X ist dies nicht standardmässig installiert, weshalb ihr es z.B. mit MacPorts, Fink oder Homebrew nachinstallieren solltet. Ich persönlich nutze Homebrew und habe darüber nicht nur wget, sondern auch andere nützliche Helferlein wie nmap, htop und einige andere installiert. Für Windows gibt es das Projekt Cygwin.
Anleitungen zur Installation dieser Paket-Manager findet ihr auf den entsprechenden Seiten. Bitte lest erst weiter wenn Ihr wget nachgerüstet habt.
Es empfiehlt sich nun, an passender Stelle eine Ordnerstruktur für eure Backups anzulegen. In meinem falle ist dies /Users/julius/Daten/websites/backups/. Wget legt dort für jede Website einen Unterordner an, um die einzelnen Backups auseinander zu halten.
Nun müssen wir ein bisschen schwarze Magie auf der Komandozeile ausführen. Aber keine Angst unter OS X gibt es Möglichkeiten, das Ganze später mit einem Mausklick oder per Cron-Job auszuführen.
Mit dieser einfachen Zeile im Terminal ladet ihr euch rekursiv den kompletten Inhalt des FTP-Servers in einen neuen bzw. bestehenden Ordner herunter.
Für viele ist hier schon Schluss, da es für einfache HTML-Webseiten ausreicht.
Wenn man möchte kann man nun diversen Voodo mit seiner Sicherheitskopie anstellen. Man kann ein rotierendes Backup erstellen, kann die Dateien mit Git Versionieren (das ist das, was ich momentan mache), sie komprimieren und auf dem Netzlaufwerk archivieren etc. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Sobald ich meinen Workflow so habe wie ich es mag, werde ich das noch mal etwas ausführlicher beschreiben.
Wie immer: Solltet ihr Fragen, Wünsche, Feedback haben, immer her damit!
09 Feb 2010 Noch keine Meinung Tweet thisDatenskandal bei haeft.de
Das ist ja wohl mal der Hammer. haeft.de eine Community für Kinder war offen wie ein Scheunentor. Die Seite wurde nun bis auf weiteres offline genommen.
Hier ein Auszug aus der Pressemeldung von CCC.de:
Jedes Zugangskonto der Kinder soll durch ein Paßwort geschützt sein. Jedoch konnten auch ohne Mühe und ohne Kenntnis dieses Paßwortes alle hinterlegten Daten der Schüler eingesehen werden. Selbst die Administrationskonten der offenkundig ungesicherten Plattform waren frei zugänglich. Somit konnten sämtliche gespeicherten Daten aller Nutzer von jedem nach Belieben eingesehen werden, dem diese Lücke aufgefallen ist. Darüberhinaus konnte sich jeder als ein angemeldetes Kind ausgeben und als dieses in der Community agieren. Dafür machte es haefft.de Neugierigen besonders leicht: Passende und ständig neue Nutzernamen wurden noch vor dem Einloggen auf der Community-Seite per “Grußkarte” offenbart – bereit zum Kopieren und Einfügen in das Anmeldefeld.
Schockierend! Noch etwas detailreicher bringt es Dirk auf den Punkt:
“Die Entwickler bei haefft.de haben sich dabei so ziemlich alle Anfänger-Programmierfehler geleistet.” Die Kennwörter waren nicht wie üblich gehasht, sondern im Klartext gespeichert. Zudem wurden sie mit dem ILIKE-Operator nur auf Ähnlichkeit verglichen, so daß sich die Paßwort-Abfrage mit einfachsten Mitteln umgehen ließ. Die Eingabedaten des Benutzers wurden ungefiltert als Befehl an die Datenbank weitergereicht. Marktübliche Techniken zur verschlüsselten Übertragung der Zugangsdaten wie HTTPS scheinen bei haefft.de unbekannt.
Quelle: http://www.ccc.de/de/updates/2009/haefft-datenloch
Hier wurde also eine Plattform betrieben, die auf Kinder, nicht ältere Schüler oder Studenten, sondern Schulkinder ab Grundschulalter ausgerichtet war, bei deren Konzeption und Umsetzung jegliche Grundprinzipien der sicheren Programmierung für Webanwendungen missachtet wurden.
Sehr witzig finde ich die Pressemeldung von haeft.de
Der Geschäftsführer Stefan Klingberg meint:
Im Moment gehe der Verlag davon aus, dass es sich ausschließlich um ein bereits gefixtes potenzielles und noch nicht reales Problem handele
Ein paar Sätze weiter steht:
Unter Hochdruck arbeiten wir derzeit an der Beseitigung der Sicherheitslücken. Ein aktueller Termin, wann die Probleme behoben sein werden, kann im Moment noch nicht gegeben werden.
Wie passt das denn zusammen? “Bereits gefixt” und “Unter Hochdruck arbeiten wir bereits an einer Beseitigung der Sicherheitslücken”? Das Problem scheint ja doch nicht so trivial zu sein, denn sie wissen nicht, wann sie wieder online gehen können.
Quelle: http://presse.haefft.de/?p=401
Wie passt das denn alles zusammen? Für eine Community die es seit 1998 gibt (ich glaube vorher hieß das Ganze funcity.de) ist das aber ein herber Schnitzer. Wurde an dem Code seit dem nix mehr gemacht? Gab es die Lücken etwa seit 1998? Sieht fast so aus. :)
Eigentlich müsste man den Verantwortlichen verbieten weiterhin in diesem Bereich zu arbeiten, und für solche Angebote strengste Kriterien bezüglich Sicherheitsmaßnahmen auferlegen. Das vielgepriesene TÜV-Siegel ist ja, wie wir im Falle Libri gemerkt haben, kein Garant für sichere Anwendungen.
Daher muss meiner Meinung nach der Gesetzgeber sofort einschreiten und mit Hilfe von unabhängigen Experten Routinen und Verfahren austüfteln, wie eine Evaluierung der Sicherheit solcher Portale realisierbar ist. Und zwar so, dass es wirklich was bringt. Sich so ein Siegel beim TÜV zu kaufen sollte nicht ausreichen. :)
Ich hoffe, dass haeft.de nach dem Fixen Ihres Portals externe Pentester und Leute die sich den Code sehr genau angucken einkauft. Alles andere wäre unverantwortlich und gehört bestraft.
05 Dez 2009 3 Meinungen Tweet this