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Tag 2 – Über die flachen Alpen…

03.08.2009

Hermann brachte uns nach einem Kaffee zum Frühstück zurück an die Raststätte Bayerwald. Wir begaben uns zurück auf die endlos lange Straße in Richtung Süden. Der erste Tramp brachte uns zur Raststätte in Linz. Dort merkte man ganz schnell, dass man irgendwie nicht mehr in Deutschland war. Die Leute redeten einigermaßen verständlich, aber die Beschilderung kam uns gar merkwürdig vor:

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Nun denn. In Österreich kann man als Tramper schon arg verzweifeln. Jedenfalls hatten wir mehr Pech als Glück. In Linz fand sich recht schnell jemand der extra einen Umweg fuhr um uns nach Salzburg Nord zu bringen. Eigentlich wäre die beste Route die über Graz -> Maribour gewesen, aber wir wollten ja auf den Triglav. Daher der Umweg über Salzburg und Villach. In Salzburg standen wir geschätzte zwei bis drei Stunden, bis uns ein netter Tscheche nach Salzburg West fuhr. Dort war die Haupteinfallsroute für Touristen und Reisende in Richtung Süden. Bisher hatten wir nur wenige, recht flache Berge gesehen. Kaum Ausgestiegen und die Seiten gewechselt, war uns das Tramperglück mal wieder hold. Wir durften es uns auf einer improvisierten Bank im Heck eines VW-Busses aus Tübingen bequem machen. Zwischen Kajak, trocknenden Unterhosen, Paddeln und allerlei anderer Ausrüstung begann unsere schaukelnde Fahrt durch die Alpen.

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Kurz vor Villach ließen wir uns absetzen, da die Beiden, eine Sportstudentin und ihr Dozent, kurz danach in eine für uns ungünstige Richtung abbiegen wollten. – Wären wir bloß mal mitgefahren…

Die Raststätte erwies sich als äusserst schlechtes Jagtrevier für Tramper. Hier hielten hauptsächlich voll beladene Urlaubskaravanen die keinen Platz für uns hatten oder haben wollten. Die Menschen waren gestresst und unfreundlich. Naja, warum man sich bei der Fahrt in den Urlaub oder im Urlaub stressen lässt, ist mir bis heute ein Rätsel, aber es gibt genug Menschen die das so halten. – Jeder wie er mag…

Zu allem Überfluss fing es dann auch noch an zu regnen. Nach einiger Zeit, es waren noch mal geschätzte 2-3 Stunden, erbarmte sich ein nettes Lehrerpärchen aus Kaiserslautern mit Hund und Wohnwagen. Das Gepäck im Wohnwagen deponiert, am Hund vorbei ins Auto geschlichen, ging es los. Weiter in Richtung Süden. – Nächster Halt: Slowenien.

Eigentlich wollten sie nicht sehr viel weiter fahren, hatten keine Karte und auch keine große Lust mehr. Wir mussten wie ein Quell heiteren Lebens gewirkt haben, denn wir konnten sie überreden zumindest bis nach Ljubliana zu fahren. Es regnete beständig und auch die Julischen Alpen waren in einer Wand aus Nebel und Regen versteckt. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Alpen flach sein müssten, da wir bis hier hin keinen ausgewachsenen Berg gesehen hatten. Den Triglav, so beschlossen wir, würden wir uns für das Ende unserer Tour aufheben, wenn das Wetter hoffentlich etwas besser sein würde.

Ljubliana wird von den Österreichern übrigens immer noch standhaft Laibach genannt, und auch Google Maps wandelt Ljubliana in Laibach um. Merkwürdige Sache das.

Kurz hinter Ljubliana, es regnete immer noch, konnten wir unsere nette Reisebegleitung davon überzeugen, dass es an der Küste, wo sie eh hin wollten, wohl viel besseres Wetter geben musste. Also fuhren sie weiter bis nach Izola, das wir spontan zu unserem heutigen Reiseziel erkoren, da es eh ein Zwischenstop auf unserer Liste war.

Das Wetter gab uns recht. Der Regen war in Izola noch nicht angekommen und wir verabschiedeten uns herzlich von dem netten Pärchen aus Kaiserslautern. Unser Ziel war eine Lokalität am Rande von Izola, wunderschön direkt am steinigen Strand gelegen. Diese Lokalität, in der vor einigen Jahren als Bente dort war, noch jegliche Art von Getränken ausgeschenkt wurde, jedoch auf Grund fehlender Sanitärer Anlagen und einem interessanten Hygienekonzept ein Club war, in dem man Mitglied sein musste, um dort in den Genuss der erlesenen Karte, Dosenbier und Kaltgetränke aus Dosen zu kommen, sollte uns als Nachtquartier dienen. Den Club gab es nicht mehr, doch die Sitzecken davor luden uns ein, vor dem Regen schutz zu suchen und eine gemütliche Nacht zu verbringen.

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Hier hatte man eine wunderbare Aussicht auf Koper und Triest. Wir begossen die nächsten 640 Kilometer mit einer leckeren Flasche Wein. Leider fing es dann doch noch an zu regnen und unsere guten alten Bundeswehrponchos, die eigentlich den Träger bei einem ABC-Angriff vor allem möglichen schützen sollten, leisteten gute Dienste bei der Abwehr von ungemütlichen Regentropfen, da die Dächer eher ein Schatten ihrer alten Vergangenheit waren und mit Löchern reichlich übersäht waren.

Es gesellten sich dann noch einige Jugendliche zu uns, die stolz vom bevorstehenden U2 Konzert in Zagreb erzählten, ansonsten jedoch kaum der englischen Sprache mächtig waren. Diese Störung verzog sich dann jedoch auch recht schnell und wir konnten uns in unsere Schlafsäcke begeben.

Wieder was gelernt: Die Alpen sind flach und Österreich ist ein schreckliches Land zum Trampen.

Tag 1 – Endlos lang zieht sich die Straße…

02.08.2009 – 15:39

Wir verlassen Deutschland und begeben uns in das Gebiet des Freistaates Bayern. Die Menschen scheinen nett und sprechen eine dem Deutschen nicht ganz unähnliche Sprache.

Wir, das sind zwei fernwehgeplagte Jungs im besten Alter auf dem Weg nach Mostar. Die blaue Adria zu sehen und Bosniens Bergen und Moscheen einen Besuch abzustatten.P1000696.jpg

Morgens ging es los. Für mich in Ahrensburg und für Bente in Kiel. Der Rucksack gepackt, die Stiefel geschnürt und mit einer Menge froher Vorfreude beladen treffen wir uns in Hamburg am Hauptbahnhof.

Unser erstes Ziel war die Raststätte Stillhorn im Hamburger Süden. Ein guter Ausgangspunkt für eine jede Trampreise in Richtung Süden. Mit uns fanden sich zwei weitere Tramper ein. Ihr erster Zwischenstop war Frankfurt am Main. Der eine wollte weiter bis nach Odessa. Dass er jemals dort ankommen würde, war für uns sehr zweifelhaft. Denn statt die Menschen anzusprechen, stand er einfach so da und jonglierte. Tat nichts ausser jonglieren.

Nun ja, für uns ging es nach ca. 10 Minuten los in Richtung Nürnberg. Nächster Zwischenstopp: Raststätte Steigerwald. Hier traf ich mehrere Pfadfinder mit bunten Stickern auf dem Hemd. Es müssen recht scoutistische Jungs und Mädels gewesen sein. Stolz zeigte mir der eine seine vollständige Sammlung von Helferbuttons vom Kirchentag, ohne zu wissen dass diese aus meiner Feder stammen. Er schwärmte über den Kirchentag und das Helferdasein. – Ich beschloss mich nicht zu outen und suchte weiter nach Tramps.

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Über die Raststätte Jura ging es hin bis zur Raste Bayerwald. Dort gestaltete sich die Suche etwas schwieriger. Alle Leute die aus Deutschland raus fuhren waren voll bepackt. Geschäftlich fahrende Menschen hatte man an einem Sonntag Abend eher weniger zu erwarten und wir aßen erst einmal was.

Gerade hatten wir einen Tramp nach Passau erwischt, kam Hermann an. Er hatte schon vorher gesagt, er käme aus der Gegend und wollte hier nur etwas Essen. Nun kam er aber an und bot uns eine Schlafgelegenheit an. – Ihm war scheinbar langweilig zu Hause und er brauchte Gesellschaft.

Da uns unsere Menschenkenntnis noch nie im Stich gelassen hatte, stiegen wir ein und saßen eine halbe Stunde später gemütlich beim Weißbier zusammen und unterhielten uns über Gott und die Welt.

Hermann arbeitet als Informatiker in einer Verwahrungsanstalt. Also dort wo all die Menschen weggesperrt werden, die möglichst nie wieder auf die Menschheit los gelassen werden sollten. Oft handelte es sich um äusserst nette Menschen die unter großen Problemen mit der Wahrnehmung leiden. Der eine hat seine Familie umgebracht, weil der Erzengel Gabriel ihm gesagt hat, er würde sie so vor dem Teufel beschützen. Das ist nur ein Beispiel dafür welch merkwürdige Launen die Natur für einige Menschen bereit hält. Der Mensch hat mein tiefstes Mitgefühl. Trotzdem bin ich froh, dass er dort gut aufgehoben ist.

Die ersten, knapp 800 Kilometer waren zurückgelegt.



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